Terrasse aus Holz

Faszination

Faszination – besondere Menschen

Ein wirklich schöner Aspekt unseres Berufes ist die Faszinaton, immer wieder ganz besonderen Menschen zu begegnen. Im Laufe der Jahre konnten wir erkennen, Menschen, die sich für ein Holzhaus, egal ob ein Schwedenhaus oder ein Neuenglandhaus entscheiden, heben sich ganz erheblich vom sogenannten „Mainstream“ ab. Sie möchten Gemütlichkeit, sind Familienmenschen – das schliesst gute Freunde unbedingt ein, legen bei aller Weltoffenheit Wert auf Bodenhaftung und sind zugleich echte Individualisten. Unsere Partner – ich mag das Wort Kunden in dem Zusammenhang nicht besonders, für mich sind es Partner, zu denen wir während der Zeit der Planung und der Bauphase eine fast freundschaftliche Beziehung entwickeln – haben einen Sinn für das Besondere, für Genuss und Qualität.

Mich beeindrucken unsere Partner oftmals sehr. Mit Enthusiasmus und Akribie begeben sie sich zunächst auf die Grundstückssuche. Manchmal haben wir das Glück wie bei Margrit und sie berichten uns darüber:

„Heute war ich unterwegs, habe mir vieles angeguckt. 2/3 waren nix, aber ich habe gleich zwei Grundstücke gesehen, die für mich in Frage kommen.Es ist nicht so, dass das Herz romantisch-verzückt war – mehr so eine stille, tiefe Freude, also etwas “Vernunft-Ehe” statt „Hals-über-Kopf-Verliebt“.“

„Ganz klar: Ich suche weiter – ich habe über die Wochen (bin intensiv dran – so gut es der Job erlaubt und etwas mehr…) gemerkt, dass ich ein Timber-Häuschen bauen möchte. Ich frage rum, reise rum… Selten kommt der Hirsch zum Jäger.“

Grundstückssuche

Irgendwann hat es dann mit dem Grundstück geklappt und wir sitzen zusammen, um nun Vorstellung und Wirklichkeit aneinander anzupassen. Bei diesen Gesprächen lernen wir unser Gegenüber ein wenig kennen. Wir erfahren etwas über die Wünsche, Ängste und Sehnsucht. So geschehen bei Margrit.

Vom ersten Moment an faszinierte sie mich: Eine nicht kleine Frau von drahtiger, schlanker Statur, kinnlanger Bob, blitzende Augen hinter einer Brille, schildert sie uns lebhaft ihre Vorstellungen für ihr Haus. Margrit ist alleinstehend, beruflich stark engagiert und eine Frau, die alles was sie macht mit hundert Prozent angeht. Irgendwann mittendrin verkündete sie uns in einer Pause, in der sie sich ihr Pfeifchen stopfte und ein paar Züge nahm, dass sie jetzt aber erst einmal in Urlaub fahre. Und wo geht’s hin? war selbstverständlich unsere Frage, in der Erwartung eines Reiseziels, das beinahe alles einschloss von Italien, über Spanien, Karibik, USA, Hawaii bis nach Asien. Mit allem haben wir gerechnet, nur nicht damit: Ich fahre in die Arktis! Ich glaube, im ersten Moment waren wir sprachlos. „Und was machen Sie in der Arktis?“ war wohl unsere zweite, zugegebener Massen nicht sonderlich intelligente Frage. „Ich besuche die Arktis, Spitzbergen, jedes Jahr, es ist meine Seelenheimat. Dieses Mal gönne ich mir eine Schiffsreise rund um das Archipel. Vom Schiff aus mache ich dann kleine Touren mit dem Kajak,“

Klar, wollten wir wissen, wie Margrit zu diesem durchaus ungewöhnlichen Reiseziel gefunden hat:

Unternehmungsgeist

Als junge Frau mit 22 Jahren hat sie auf der Landkarte diese Inselgruppe entdeckt und sich abenteuer- und unternehmungslustig wie man halt als junger Mensch ist, dorthin auf den Weg gemacht. Nicht mit dem Flugzeug, sondern auf einem kleinen Schnapsschmugglerboot, zusammen mit zwei weiteren Passagieren, näherte sie sich dieser Inselgruppe. Unterwegs trafen sie dort auf einen Trapper. Dieser kam auf die Idee, dass Margrit doch gut eine Weile bei ihm bleiben könne, um seine neugeborenen Grönlandhunde während seiner Abwesenheit betreuen zu können. Der erste Impuls war natürlich – nein, das möchte ich eher nicht, aber als sich der zweite Passagier, ein deutscher Student, bereit erklärte, ihr Gesellschaft zu leisten, blieben sie. In dieser Zeit entwickelte sich eine Verbundenheit zu dieser Gegend. Und so kam es, dass Margrit heute noch immer wieder nach Spitzbergen fährt.

Margrit plant ihre Reisen selbst. Manchmal reist sie auch in Gesellschaft. So geschehen vor ein paar Jahren, als sie gemeinsam mit vier anderen Schweizern eine mehrwöchige Skitour mit Pulkas (Gepäckschlitten) durch die Arktis plante und durchführte.

Sie betont, dass es für solche Touren weniger die körperliche Kondition das Wichtigste ist, hingegen ist es extrem wichtig, sehr genau zu planen und sich perfekt aufeinander verlassen zu können. Falls dem nicht so ist, muss man nur hoffen, nicht in eine brenzlige Situation zu geraten.

In unseren Gesprächen betonte Margrit aber auch immer wieder, wie besorgt sie um diese Gegend ist: Der Klimawandel ist nicht Theorie, sondern augenfällig da. Das Ausmass ist wohl so, bildlich gesprochen, als ob in unseren Gefilden plötzlich Kokospalmen im Garten wüchsen. Es ist dramatisch, berichtet sie – das Meereis friert nicht mehr zu, ganze Hügelzüge verschwinden ohne Permafrost im Meer und neuerdings wird es gar grün auf Spitzbergen.

Farbgestaltung

Margrit kam zurück aus der Arktis. Das Haus wurde aufgestellt, erhielt ihre Traumfarbe rot und es ging so allmählich an die Fein- und Einrichtungsarbeiten.

Und auch hier ging Margrit wieder ihren eigenen Weg. Beginnen wir bei den Farben: Der Küchenkorpus schwarz mit stahlfarbenem Sockel. Dort wo oft ein Fliesenspiegel verlegt wird, wurde von unserem Mitarbeiter Benni Beyer ein bronzefarbener Spezialputz angebracht. Benni Beyer ist als Spezialist für besondere Maltechniken ausgebildet.

Die Farbgestaltung im Bad beruht auf historischen Vorbildern: die Wände wurden arsengrün gestrichen.

Früher wurden Bäder mit einer Farbe gestrichen, der Arsen beigemischt wurde, was ein türkisfarbenes Grün bewirkte. Arsen bekämpfte Schimmelpilz und Mücken, war aber hochgiftig! Man hatte also die Wahl: Entweder, man wurde krank durch Schimmelpilz und Ungeziefer oder durch die giftige Mischung – Napoleon sei daran gestorben, heisst es. Die Giftmischung ist längst verboten, aber die Farbvorstellung blieb.

Ein Erbstück aus dem Unterengadin schaffte es in die Küche und steht somit für ihre Wurzeln aus dem Unterengadin, aus dem ihre Mutter stammt. Diese rätoromanischen Wurzeln finden wir inzwischen auch an der Eingangstüre:

„Teis entrar e teis sortir vögl il Segner benedir“ – Übersetzt: Dein Kommen und dein Gehen möge der Herr segnen.

Im Bad wird der Stil durch eine alte Waschkommode, abgeschliffen, grundiert und ebenso wie die Holzpanele mit Farrow & Ball Farbe Black-Blue gestrichen, vervollständigt. Innen befinden sich Elektroanschlüsse für Fön und was sonst so gebraucht wird. Dazu machen eine Kupferarmatur und Muschelgriffe mit Kupferlegierung den Look perfekt.

Denkt man. Aber nein, Margrit hatte noch mehr Ideen. Aus den USA liess sie sich einen Duschvorhang mit einem Porträt der Frida Kahlo schicken. Zurechtgestutzt und mit Nähmaschine und Ösenzange bearbeitet entstand so der Vorhang für das Badfenster und betont dadurch das dramatische Bad. Ganz am Ende ist Margrit noch nicht mit dem Wunsch Interieur. „Die Frida kriegt jetzt die Ohrringe und Halskette mit Pailletten und Perlen gestickt, damit es etwas glitzert.“

Ausserdem sucht sie echte alte Bleikristalllüster, „Bleikristall ist wichtig, wenn es glitzern soll“. Und glitzern soll es in ihrem Bad, weil mit den arsengrünen Wänden und der schwarzblaue Holzverkleidung den Raum doch etwas dunkel wirkt.

Es ist faszinierend wie Margrit ihren eigenen Stil durchzieht. In ihrem Haus finden Skandinavien, das Unterengadin und das Bauhaus Unterschlupf und das ergibt tatsächlich ein Ganzes.

Und Margrit ist nicht die Einzige, die so begeistert ihre Linie verfolgt. Wenn Euch diese Geschichte gefällt, könnt Ihr Margrits Blog kornvalmue.blogspot.ch folgen. Auch wir freuen uns über ein FB „Like“. Vielleicht folgen dann weitere Geschichten.